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1545 – quinze quarante-cinq, 2006, 24 min.

Ce plan-séquence de l’artiste a été tourné dans l’atelier qu’il occupait à la Cité des Arts internationale de Paris, l’atelier numéro 1545. Dans une chorégraphie saccadée, on assiste à la gestation et la naissance en accéléré de toiles abstraites aux couleurs acides. Préparatifs, mesures, repères, passage à l’acte: les peintures éclosent frénétiquement, déjà remplacées par de nouvelles oeuvres conçues en quelques dizaines de secondes.
Nous sommes en pleine démonstration d’ubiquité: Davix vidéaste fixe ce que Davix peintre libère. Ce qui est dissimulé d’ordinaire devient le centre d’attention: l’œuvre d’art ici n’est pas l’œuvre d’art elle-même, mais le processus de sa création. Ce film livre ainsi une analyse génétique de la peinture. Celle-ci sous-tend l’hypothèse que l’œuvre, dans sa perfection finale, reste l’effet de ses métamorphoses et contient la mémoire active de sa propre genèse. Mais cet autoportrait vidéo convoque également un pan légendaire de l’histoire de l’art: le peintre et son atelier; le laboratoire-refuge de la création et l’artiste, figure romantique par excellence.
Ensemble de récits mythiques et/ou de conjectures scientifiques, cherchant à expliquer l’origine et l’évolution de l’univers: c’est bien une petite cosmogonie de la peinture qu’on nous propose.
(Léa Fluck, Februar 08)


Begegnung mit Stefan Davix' Malerei

Die Malerei von Stefan Davix betrifft in denkbarst ursprünglicher Weise das Sehen. Jedes der Bildobjekte ist primär ein Angebot zu einem visuellen Erlebnis. Dieses mag einen Moment einnehmen oder längere Zeit, es mag einfach sein oder vielschichtig und dynamisch; es mögen zusätzlich gewisse emotionale Empfindungen entstehen, zuweilen unbenennbare, auch Spass und Ironie oder auch figürliche oder gar narrative Assoziationen. Was immer sich in einer Begegnung mit dieser Malerei ereignen kann, ist zwar unhintergehbar veranlasst von den einzelnen Bildern, moduliert durch ihre Exposition im Raum und im Licht und durch die wortlose Zwiesprache miteinander, aber – indem er in den Dialog eintritt – ebenso abhängig vom Betrachter. Vielleicht haben jene Betrachter am meisten von Davix' Malereien, die sich ihnen gegenüber ähnlich verhalten wie der Maler. Wie dieser nämlich ein Bild sucht, indem er malt, mögen wir eines finden, indem wir schauen. Die Frage, was ein Bild sei, wird seit jeher immer aufs Neue und so auch hier damit beantwortet, dass sich etwas als Bild behauptet – oder eben nicht. Sobald die erste Farbe auf die Leinwand gerät, tritt das Objekt ein in eine Dialektik zunächst mit dem Maler und, wenn er es als These gelten lässt, dann mit den Betrachtern. Der in unserem Fall rein ästhetische Streit um oder über das, was Bild sein will, kann allein mit einem Willkürakt – des Malers wie der Betrachterin – einmal angehalten und möglicherweise später wieder aufgenommen werden. Offenheit für das Unvermutete spielt dabei ebenso eine Rolle wie Aufrichtigkeit.
Genau so ereignen sich Davix' Bilder beim Malen. Der Maler nimmt frei von rationalen Gründen oder bewussten Konzepten an Malmaterial in die Hände, was ihm in seiner Welt ein-, zu- und gefällt, und begibt sich damit auf die Suche nach einem Bild. Es mag sich nach Minuten in der Malerei finden oder erst nach Jahren; es mag in einem gradlinigen Prozess entstehen oder indem ein Versuch von anderen Arbeiten unterbrochen wird, als Leinwand eines misslungenen Ansatzes weggestellt oder als Palette benutzt wird – und sich unvermutet wieder als Dialogpartner anbietet um nun doch ein Stadium hin zu einem Bild zu sein. Es ist möglich, die Schichten und Geschichten der Bilder nachzu(er)zählen; einige von ihnen tun das durch ihren Objektcharakter ganz direkt oder im Streiflicht und an ihren Rändern explizit. Begründen aber lassen sie sich nicht, vielmehr ist jedes von ihnen ein Axiom. Die scheinbar totale und riskante Willkür und bewusste Konzeptlosigkeit dieser Akte erinnert an surrealistische Methoden, allerdings befreit von jeder tiefenpsychologischen Anmutung, dafür bereichert um die ästhetische Autonomie des Sehens.
(Cecilia Anderhub, April 05)


Austellungstext zu "ABS* die langsamkeit der kunst"

Die Vielfalt der Medien, in denen Davix sich bewegte, ist auffällig. Musik, Malerei, Installation, Aktion, Video, Netart - und plötzlich wieder Malerei. Dabei war der Wechsel jeweils lediglich eine Verlagerung des Schwerpunktes aufgrund neuer Interessen und Möglichkeiten, während eine konstant entwickelte Reihe von mal mehr und mal weniger augenscheinlich auftretenden Motiven festzustellen ist: Ironie, Rhythmus, Ignoranz gegenüber Wertungen, Offenheit, der Hang, das Medium sich verselbständigen zu lassen und die Neigung, streunende Hunde in schöne Bestien zu verwandeln. Als Absolvent der Abteilung Freie Kunst (SfG Luzern) entstanden irritierend komische bis befremdliche Gemälde, während Davix als Schlagzeuger Steven's Nude Club den Drive gab. Die anschliessenden Videoarbeiten (Videoklasse HfG Luzern) sind getragen von emotional einnehmenden Bild-Bewegungs-Rhythmen, und sie weisen eine zunehmende Tendenz auf zum Wechselspiel von burlesker Komik und verhängnisvoller Tragik. Installationen und Aktionen wie etwa der “1000 $ MAN" setzten auch Bilder, waren gleichzeitig aber interaktive Kommunikationsevents mit der Offenheit der Improvisation. Während der Arbeit als Webdesigner über rund vier Jahre entstand, neben der skizzenbuchartigen Website “www.wurst.ch", die von Stadt und Kanton Luzern ausgezeichnete interaktive CD-Rom “nobody died 2.0". Hier tritt das doppelbödige Spiel mit den schönen Oberflächen in den Vordergrund - ornamental bearbeitete Sportfotos aus Zeitungen, Software-Oberflächen, eine flackernde Projektion, die musikalisch zusammenfinden. Mit einem zweiten Wohnsitz in Berlin verlegte sich Davix im August 1999 ganz auf die freie Kunst und ganz ins Multimedium Computer. Als eine erste grössere Arbeit entstand das Exposée zu “the wurst must go on" (Kunstkredit Basel-Stadt 2000). Mehrere inhaltlich und motivisch kontingente Interaktions-Stücke thematisieren auf lustvolle und listige Weise das Medium Internet. Das Projekt wurde vorerst auf Eis gelegt zugunsten der Teilnahme am “Projekt Zentralschweiz 1" im Kunstmuseum Luzern. Die Lounge "T2000" ist ein seltsam zauberhaftes Environment. Die Oberfläche einer auf den ersten Blick freundlich schönen Ästhetik, hervorgehend aus Abfall, verführt darin die Besucherin in eine Sphäre unauflösbarer, bodenloser Ambivalenz.
Eine heftige Begegnung mit einer Verkehrsampel im Januar 2001 führte zum Abbruch aller digitalen Arbeiten und warf Davix sozusagen auf die mediale Vergangenheit zurück. Die aktuellen Malereien setzen aber nicht jene vergangener Tage fort, sondern in der Grundhaltung vielmehr dort an, wo die computergenerierten Projekte angelangt sind. Tatsächlich erfindet sich Davix das Malen neu, indem er zugleich einfache und in ihrem Zusammenhang komplexe Bedingungen dieses Urmediums behutsam und beharrlich, aleatorisch und gezielt anreizt.
(Cecilia Anderhub, September 02)

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